"Ein Leben gegen den wüsten Traum. Ernst Barlach zum 150. Geburtstag"

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JAN

Datum Dienstag, 7. Januar 2020, 19:00 Uhr
Ort
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Breitscheidplatz, 10789 Berlin, Deutschland
Mitwirkende
Dr. Johann Hinrich Claussen

Zu Recht hat das Dritte Reich ihn ausgegrenzt als „entartet“, denn Ernst Barlach war tatsächlich nicht bestimmt vom Wahn aus Blut und Rasse. Mit seinen Skulpturen stellte er sich gegen den Vaterlandstod und gegen jeden zweiten Krieg. Nichts Völkisches konnte ihm heilig sein. Heilig allein war ihm das Ewige. Aus der Verborgenheit kam es schwebend nah in der Sehnsucht seiner Gestalten, und auch ihre Kraft zum Leiden bekam Dauer nicht aus ihnen selbst. Als Schriftsteller, Zeichner und Bildhauer suchte Barlach „dieses Höhere“ sichtbar werden zu lassen. Er rang um die Form: Wie kann das Unschaubare und das Unsagbare Raum finden in der Zeit?

Unter seinem „Riesenzweifel“ war er „gläubiger Mensch“, als „Schmerzensmann“ nahm er sich früh schon an. Mit seinen Werken hinausgedrängt aus dem „ewigen Reich“, gab er sich nicht preis. Er wachte bis zum Ende: „Das Jahr 1937 kommt mir wie ein wüster Traum vor von hundert oder tausend Jahren“. Er starb am 24. Oktober 1938, als die Bevölkerung erstmalig über den „Westwall“ informiert wurde.

Barlach in der Kapelle der Gedächtniskirche – auf dem Altar eine Bleistiftzeichnung aus dem Kriegsjahr 1915: Christus, ausgespannt am Marterholz. Aus seiner Welt blickt er uns an.

Fünf Tage nach seinem 150. Geburtstag gibt Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland, eine Einführung in Werk und Wesen des Künstlers.


In der Kapelle auf dem Breitscheidplatz

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