Podiumsanierung endlich geschafft – Sanierung der blauen Gläser des Glockenturms vor dem Start

Podiumsanierung endlich geschafft – Sanierung der blauen Gläser des Glockenturms vor dem Start


# Kirchengebäude
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht am Mittwoch, 11. November 2020, 00:00 Uhr
Podiumsanierung endlich geschafft – Sanierung der blauen Gläser des Glockenturms vor dem Start

Am 6. November 2020 war es endlich so weit: Die letzten Keramikscheiben direkt neben dem Glockenturm wurden eingesetzt und verfugt. Das eingespielte Team von Landschaftsbauern unter der souveränen Leitung der Polierin Steffi Kaufmann hatte zuletzt, mit Verstärkung, einen fulminanten Endspurt hingelegt. Nun ist die komplette Fläche auf dem Podium um alle Kirchengebäude herum in ihrem abwechslungsreichen Spiel von roten und anthrazitfarbenen Kreisen unterschiedlicher Durchmesser um die großen hellgrauen Waschbetonplatten herum endlich fertig. Nach mehr als dreijähriger Bauzeit, zwischen Sommerfesten und Weihnachtmärkten und inmitten der klobigen Sicherheitsabsperrungen rund um den Breitscheidplatz, ist die ursprüngliche Farbigkeit der Oberfläche wiederhergestellt, wie sie der Architekt Egon Eiermann angelegt hatte – was dann jedoch in den 1980er-Jahren einer damals notwendigen Sanierung zum Opfer gefallen war. Aber es ging noch um weit mehr: Eine von Schweizer Fachleuten konzipierte mehrschichtige Unterkonstruktion mit Dränbeton und das sorgfältig angelegte Gefälle zu einer stark vermehrten Zahl von Bodeneinläufen soll künftig verhindern, dass es erneut zu solchen Schäden kommt wie einst schon bald nach der Fertigstellung.

Das Ganze hat allerdings seinen Preis. Weit über 1000 Euro pro Quadratmeter Fläche, das nähert sich schon den Dimensionen von einfachem Hausbau. Billiger wäre diese denkmalgerechte Rekonstruktion oder besser noch Neukonstruktion nicht möglich gewesen. Staatliche Denkmalbehörden, Deutsche Stiftung Denkmalschutz und LOTTO-Stiftung Berlin haben deshalb kräftig beigetragen und sind vielleicht sogar noch für einen Nachschlag zu gewinnen. Großer Dank gebührt aber vor allem den vielen Podiumpat*innen, die das Gelingen überhaupt ermöglicht haben mit ihren Spenden. Auch hier gab es 2020 noch einen eindrucksvollen Endspurt mit über 44 000 Euro in den letzten sechs Monaten!

Verstärkung können wir freilich auch hier noch brauchen, um nicht aus Rücklagen, die eigentlich für andere Aufgaben gebraucht werden, Gelder hierhin umschichten zu müssen. Alle, die sich noch weiter beim Podium beteiligen, investieren nicht nur in die Stabilität und in Schönheit der Fläche, sondern direkt in Zukunft. Denn in der Fläche sind nun auch Strom- und Datenleitungen verlegt, mit etlichen Anschlussstellen, um für künftige Anforderungen vorbereitet zu sein. www.podiumpate.de ist weiter eine zielführende Adresse für alle, die zum Gelingen beitragen möchten. Nun vielleicht als Geschenk zur Vollendung?

Gern würden wir die Fertigstellung feiern, mit den Spenderinnen und Spendern, mit den Architekten und den beteiligten Firmen und mit allen, die sich einfach mitfreuen möchten. Das muss nun einstweilen noch warten. Aber es wird nachgeholt, sobald die Pandemie-Bedingungen es zulassen.

Und dann kann hoffentlich schon die nächste Baustelle besichtigt werden. Nach dem „Mosaik“ der Bodenplatten ist nun das „Mosaik“ der blauen Gläser am Glockenturm dran. Im sechzigsten Jahr nach der Einweihung haben wir nicht allein massive Schäden an den zuletzt 1999/2000 sanierten Betonfassadenelementen dieses 53,5 Meter hohen Bauwerks zu beheben. Erstmalig müssen auch alle 5152 Glaselemente in die Werkstatt, zur tiefgründigen Reinigung und zur Reparatur. Jedes davon ist ca. 35 x 35 cm groß, aus dickem farbigem Glas, mit Beton verfugt, und wiegt 6,2 kg. Untersuchungen in diesem Jahr haben gezeigt, wie sehr die Zeit drängt. Eiserne Armierungsdrähte in der Betonfassung rosten, dehnen sich aus, und der Druck sprengt nicht nur den Beton; auch das darin eingefasste Glas bekommt Sprünge und droht zu platzen.

Zum Glück hat die Wüstenrot Stiftung schon vor Jahren zugesagt, sich auch um diese Aufgabe zu kümmern, genauso wie um die Kapelle, und hat dafür eine Million Euro versprochen. 1,5 Millionen können wir aus kirchlichen Töpfen beisteuern, unter anderem dank der Werbeverhüllung im Jahr 2019. Doch das wird bei weitem nicht reichen. Denn neben den jetzt notwendigen Arbeiten am Glas selbst müssen eben auch alle 204 Betonwabenelemente des Glockenturms entweder in höchst aufwändiger Handarbeit repariert oder aber komplett neu angefertigt werden. Alles zusammen wird vier Millionen Euro kosten, wenn nicht noch mehr. Hierüber verhandeln wir nun mit staatlichen Stellen. Um dies zu befördern, brauchen wir aber auch hier das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, damit der Turm auch künftig in blauem Licht erstrahlen kann.